home  aktuelles  verein  historie  links  anfahrt  kontakt  impressum                                       

historie

Geschichte des Gebäudeensembles Ehrenbürgstr. 9
Zwangsarbeiterlager 1942/43 - 1945


Von 1939-1945 errichtete das nationalsozialistische Regime im
Raum München über 400 Zwangsarbeiterlager.
1)
Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalitäten wurden in diesen Arbeitslagern interniert und zur Unterstützung und Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft 2) gezwungen.
Das Gebäudeensemble in der Ehrenbürgstr. 9 wurde im Winter
1942/43 erstellt und ist als einziges bauliches Zeugnis der Arbeitslager
dieser Zeit in seiner Gesamtheit erhalten geblieben. Für München
stellt dies eine Besonderheit dar, da andernorts die über die
Nachkriegszeit zunächst erhalten gebliebenen Lagerbauten heute
aus dem Stadtbild verschwunden sind oder überbaut wurden.
3)

An diesem Ort befand sich das Zwangsarbeiterlager des
Ausbesserungswerks der Reichsbahn für ausländische Zivilarbeiter
und Kriegsgefangene, auch genannt: RAW-Lager Neu-Aubing.
Die Reichsbahn unterhielt in München eine Reihe von Arbeitslagern
(z. B. in Aubing, Allach, Johanniskirchen, Freimann, Pasing, Solln).

Seit dem 30.1.2009 steht das Gebäudeensemble Ehrenbürgstr. 9
unter Ensembleschutz. Der Bau V wurde als besonders schutzwürdig
in die Denkmalliste aufgenommen. Die Splitterschutzbunker
sind als Bodendenkmäler eingetragen.

Quellen:
1) „Nachweisbar ist ein dichtes Netz von mehr als 400 Ausländerlagern- und quartieren im
Stadtgebiet“, Andreas Heusler aus "Zwangsarbeit und Entschädigung - ein offenes Kapitel
deutscher Geschichte?" in Kiew-München Kiew, Hrsg. vom Kulturreferat der Landeshauptstadt
München, Buchendorfer Verlag, München 2000
2) bezeichnet Wirtschaft im Kriegszustand
3) Historisches Gutachten zum Barackenlager in der Ehrenbürgstraße/Neuaubing, Frau Dr. Sabine Schalm

Geschichte der Ehrenbürgstr. 9: 1945 - heute

Nach Kriegsende dienten die Gebäude für kurze Zeit als Lager für
deutsche Kriegsgefangene, dann als Flüchtlingsunterkunft.
Ab 1948 war das Lager Wohnheim für Bundesbahnbedienstete
und Lehrlingswohnheim.
Ab Anfang der 70er Jahre wurde das Areal gewerblich genutzt. Zu
Beginn der 80er Jahre richteten dann vermehrt Künstler ihre
Ateliers dort ein und es entstand die heute noch bestehende
gemischte Nutzung der Gebäude von Handwerkern und Künstlern.
Seit 1983 befindet sich in dem südöstlichen Gebäude der Kindergarten
einer Elterninitiative. Anfang der 90er Jahre zog in das
nordwestliche Gebäude die Verwaltung der benachbarten
Münchner Kinder- und Jugendfarm ein.

Das Bauensemble besteht im Wesentlichen seit seiner Errichtung
unverändert. Von den geplanten elf Gebäuden waren 1946 noch
neun Gebäude erhalten, heute sind noch acht Gebäude erhalten.
Die Bausubstanz ist durchaus renovierungsfähig, da diese Gebäude, auch
wenn sie oft als Baracken bezeichnet werden, in Vollziegelbauweise erstellt wurden (außer Bau 5 in Leichtbeton).
Der Gesamteindruck und viele Details wie Eingangstüren, Fenster, Fensterläden und Bretterdielenböden sind noch erhalten. So kann dieser Ort auch heute noch Geschichte anschaulich machen.

2014 übernahm das NS-Dokumentationszentrum München die einzige komplett unter Denkmalschutz gestellten Bau 5 ("ein Ort von herausragender erinnerungskultureller Bedeutung") für einen symbolischen Betrag von der den Besitz verwaltenden  CA IMMO München. Die bauliche Sicherung der Baracke begann und wurde im November 2015 abgeschlossen (maßgeblich finanziert aus Mitteln des städtischen Kulturbaufonds).

Am 01.11.2015 ging das gesamte Areal mit allen weiteren Bauten und den zwei Splitterbunkern nach Ankauf in den Besitz der Stadt München über.

Auf dem Gelände an der Ehrenbürgstraße 9 soll ein Lern- und Erinnerungsort entstehen, der dem NS-Dokumentationszentrum München angegliedert ist. Im Konzept sind Rundgang über das Gelände mit Informationspunkten, pädagogische Angebote und Audioguides vorgesehen. Mit der doppelten Schwerpunktsetzung auf Ausstellungs- und Bildungsarbeit am authentischen Ort soll in Neuaubing die Vergegenwärtigung von Geschichte mit einem Auftrag für Gegenwart und Zukunft verknüpft werden.1)

"Das gesamte Gelände mit seiner Historie und den heute sehr vielfältigen Nutzungen ist ein besonderer Ort für den Stadtteil Freiham, der 'Münchens größtes Neubaugebiet' ist. Das Kommunalreferat hat [...] als neuer Eigentümer die Verantwortung übernommen, diesen Wandel unter Berücksichtigung historischer und heute bestehender Zusammenhänge weiterzuentwickeln." 2)

Quelle:
1) Pressemitteilung des Kulturreferat München vom 01.12.2015
2) Axel Marquardt, Kommunalreferat der Landeshauptstadt München in der Pressemitteilung vom 01.12.2015, siehe 1)

 


Bau 5 (unter Denkmalschutz) Foto von 2008


Osteingang 2011


Hinterausgang Außenseite Bau 6, 2011


Bau 3 östliche Stirnseite, 2011


Bau 6 Innenseite südliches Ende, 2014


Bau 6 Innenseite Blick nach Norden, 2014
                                                           © fauwe 2017