home  aktuelles  verein  historie  links  anfahrt  kontakt  impressum                                              © fauwe 2012 | Stand 02/2012

historie

Geschichte des Gebäudeensembles Ehrenbürgstr. 9
Zwangsarbeiterlager 1942/43 - 1945


Von 1939-1945 errichtete das nationalsozialistische Regime im
Raum München über 400 Zwangsarbeiterlager.
1)
Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalitäten wurden in diesen Arbeitslagern interniert und zur Unterstützung und Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft 2) gezwungen.
Das Gebäudeensemble in der Ehrenbürgstr. 9 wurde im Winter
1942/43 erstellt und ist als einziges bauliches Zeugnis der Arbeitslager
dieser Zeit in seiner Gesamtheit erhalten geblieben. Für München
stellt dies eine Besonderheit dar, da andernorts die über die
Nachkriegszeit zunächst erhalten gebliebenen Lagerbauten heute
aus dem Stadtbild verschwunden sind oder überbaut wurden.
3)

An diesem Ort befand sich das Zwangsarbeiterlager des
Ausbesserungswerks der Reichsbahn für ausländische Zivilarbeiter
und Kriegsgefangene, auch genannt: RAW-Lager Neu-Aubing.
Die Reichsbahn unterhielt in München eine Reihe von Arbeitslagern
(z. B. in Aubing, Allach, Johanniskirchen, Freimann, Pasing, Solln).

Seit dem 30.1.2009 steht das Gebäudeensemble Ehrenbürgstr. 9
unter Ensembleschutz. Der Bau V wurde als besonders schutzwürdig
in die Denkmalliste aufgenommen. Die Splitterschutzbunker
sind als Bodendenkmäler eingetragen.

Quellen:
1) „Nachweisbar ist ein dichtes Netz von mehr als 400 Ausländerlagern- und quartieren im
Stadtgebiet“, Andreas Heusler aus Zwangsarbeit und Entschädigung - ein offenes Kapitel
deutscher Geschichte? in Kiew-München Kiew, Hrsg. vom Kulturreferat der Landeshauptstadt
München, Buchendorfer Verlag, München 2000
2) bezeichnet Wirtschaft im Kriegszustand
3) Historisches Gutachten zum Barackenlager in der Ehrenbürgstraße/Neuaubing, Frau Dr. Sabine Schalm
(siehe Dauerausstellung von Ruth Oehler
und Elvira Auer, Ehrenbürgstr. 9)
 


Geschichte der Ehrenbürgstr. 9: 1945 - heute

Nach Kriegsende dienten die Gebäude für kurze Zeit als Lager für
deutsche Kriegsgefangene, dann als Flüchtlingsunterkunft.
Ab 1948 diente das Lager als Wohnheim für Bundesbahnbedienstete
und als Lehrlingswohnheim.
Ab Anfang der 70er Jahre wurde das Areal gewerblich genutzt. Zu
Beginn der 80er Jahre richteten dann vermehrt Künstler ihre
Ateliers dort ein und es entstand die heute noch bestehende
gemischte Nutzung der Gebäude von Handwerkern und Künstlern.
Seit 1983 befindet sich in dem südöstlichen Gebäude der Kindergarten
einer Elterninitiative. Anfang der 90er Jahre zog in das
nordwestliche Gebäude die Verwaltung der benachbarten
Münchner Kinder- und Jugendfarm ein.
Das Bauensemble besteht im Wesentlichen seit seiner Errichtung
unverändert. Von den geplanten elf Gebäuden waren 1946 noch
neun Gebäude erhalten, heute sind noch acht Gebäude erhalten.
Die Bausubstanz ist durchaus renovierungsfähig, da diese Gebäude, auch
wenn sie oft als Baracken bezeichnet werden, in Vollziegelbauweise erstellt
wurden (außer Bau 5 in Leichtbeton).
Der Gesamteindruck und viele Details wie Eingangstüren, Fenster, Fensterläden und Bretterdielenböden sind noch erhalten. So kann dieser Ort auch heute noch Geschichte anschaulich machen.
Das Bild zeigt eine von ursprünglich zwei Türen des Wirtschaftsgebäudes, die wahrscheinlich der Annahme von Waren- und Lebensmittellieferungen dienten. 

 


Bau V (unter Denkmalschutz)


Osteingang


Hinterausgang Bau VI